(c) Fotolia

  • 01.06.2017
  • Dr. Walter Dormagen
  • 0
Gesünder Bauen > Schimmel

Was macht Schimmelpilze so gefährlich?

Schimmelpilze können unsere Gesundheit schädigen. Welche Vorgänge genau dafür verantwortlich sind, erklärt der Baublog.de-Experte Dr. Walter Dormagen von TÜV Rheinland.

Bei Schimmelpilzen spielen mehrere Bestandteile eine Rolle. Nicht nur die Schimmelpilzsporen verfügen über ein gesundheitsschädigendes Potential, sondern auch die Zellwandbestandteile der Schimmelpilze (1,3-β-D-Glucan) können gesundheitsschädigend wirken. Daneben ist bei einer ganzen Reihe von Schimmelpilzen nachgewiesen, dass sie giftige Stoffe, sogenannte Mykotoxine abgeben können. Zusätzlich geben Schimmelpilze häufig MVOC (Microbial Volatile Organic compounds) ab, flüchtige Substanzen, die häufig für den typische Schimmelpilzgeruch verantwortlich sind.

Schimmelpilzsporen sind Fortpflanzungseinheiten von Schimmelpilzen und natürliche, allgegenwärtige Bestandteile unserer Außenluft. Die Konzentration, in der diese Sporen vorliegen, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Dazu gehören Klima und Jahreszeit, geographische Lage und sonstige Umgebungsbedingungen. Die Größe der Schimmelpilzsporen liegt zwischen einigen wenigen und ca. 30 Mikrometern (µm, millionstel Meter). Im Vergleich dazu, beträgt der Durchmesser eines menschlichen Haares ca. 100 µm.

Belastungen mit Schimmelpilzsporen in der Innenraumluft, entstehen entweder durch hohe Sporenbelastung im Außenbereich, die beim Lüften ins Haus dringen. Die zweite Quelle sind Schimmelpilze, die bereits in den Innenräumen vorhanden sind.

Auch ein abgestorbener Schimmelpilz kann Probleme verursachen

Ein wichtiger Bestandteil der Schimmelpilze sind 1,3-β-D-Glucane. Diese Verbindungen machen in bestimmten Schimmelpilzen bis zu 80 Prozent der Zellwände aus. Das Problem: diese 1,3-D-Glucane sind auch dann nicht verschwunden, wenn der Schimmelpilz abgestorben und somit nicht mehr biologisch aktiv ist. Auch dann können diese Glucane aus dem verbliebenen abgestorbenen Material freigesetzt und an die Raumluft abgegeben werden. Zum Beispiel wenn man versucht, belastete Bauteile zu entfernen. Personen die sich im Umfeld aufhalten oder die mit dem belasteten Material arbeiten, werden dann durch direkten Hautkontakt oder über die Atemwege in ihrer Gesundheit gefährdet. Das Entfernen von schimmelpilzbelastetem Putz durch Abschlagen ohne weitere Schutzmaßnahmen ist ein typisches Beispiel.

Es ist bekannt, dass da, wo Schimmelpilze wachsen, häufig auch eine Vielzahl von Bakterien anzutreffen sind. Typische Beispiele sind, Amycalotopsis, Pseudonocardia oder Nocardia aus der Ordnung der Actinobacteria. Diese Bakterien enthalten als Bestandteil ihrer Zellwände sogenannte Endotoxine, die in hohen Konzentrationen verschiedene gesundheitsschädigende Wirkungen zeigen können.

Entzündungen bei Schleimhäuten, Atemwegen und Haut

Da Schimmelpilze und Bakterien häufig gleichzeitig bei Feuchteschäden vorhanden sind, sind bei den oben geschilderten Arbeiten sowohl die 1,3-ß-D-Glucane als auch Endotoxine anzutreffen. Beim Vorliegen hoher Konzentrationen können sich die gebildeten Bioaerosole, in denen sowohl die von den Schimmelpilzen stammenden 1,3-D-Glucane wie auch von den Bakterien stammenden Endotoxine vorkommen, die Bindehäute der Augen und die Haut entzünden. Seltener sind die Schleimhäute der Nase, die oberen Atemwege und noch seltener auf die tieferen Atemwegen betroffen. Bei niedrigeren Innenraumbelastungen z. B. in Schulen wurde das Auftreten mit Schleimhautreizungen und Müdigkeit in Verbindung gebracht.

Durch ihre Stoffwechselprozesse produzieren Schimmelpilze eine Reihe von flüchtigen, chemischen Substanzen (MVOC, Microbial Volatile Organic Compounds). Diese Verbindungen sind häufig für den typischen, oft modrigen Geruch verantwortlich, den man in Räumen mit Schimmelpilzwachstum feststellen kann. Mit Messungen der MVOC-Konzentrationen in der Raumluft kann man Hinweise auf verdeckte, optisch nicht erkennbare Schimmelpilzvorkommen bekommen. Zum Beispiel wenn der Schimmelpilzbefall hinter Tapeten oder hinter Schränken ist. Eine Gesundheitsgefährdung stellen die typischen MVOC-Belastungen in Innenräumen nicht dar. Dafür liegen die Konzentrationen, die in Innenräumen ermittelt werden, mit 1 µg/m3 und weniger zu niedrig. Riechen kann man sie trotzdem und so dem Schimmel auf die Spur kommen. Im Vergleich dazu liegen Belastungen von ähnlichen flüchtigen Stoffen, die durch Emissionen von Baustoffen hervorgerufen werden, z.B. Lösemittelbelastungen aus Klebern, mindestens um das Zehnfache höher.

Dr. Walter Dormagen

TÜV Rheinland

Mehr erfahren

Kommentare

1000 Buchstaben übrig