(c) Sentinel Haus Institut / Nikolaus Herrmann

  • 28.02.2017
  • Volker Lehmkuhl
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Wohnen und Leben > Kinderzimmer

Kinderzimmer wohngesund renovieren

Es ist schon seltsam: Da freut man sich auf den Nachwuchs und will alles besonders schön machen. Und dann kommen Wissenschaftler und sagen, dass ein nicht renoviertes Zimmer eigentlich besser ist. Was ist da los? Zur Beruhigung: Es gibt gute Möglichkeiten beides unter einen Hut zu bekommen!

Allergien durch Kinderzimmer-Renovierung

Eltern wollen immer das Beste für Ihre Kinder. Bei der Gestaltung der Lebensumstände für den Nachwuchs werden deshalb oft weder Zeit noch Mühen noch Kosten gescheut, um Kinderzimmer schön und kindgerecht auszustatten. Allerdings sind Kinder deutlich stärker als Erwachsene durch Schadstoffe wie Formaldehyd oder flüchtige organische Stoffe (VOC) gefährdet, die Atemwegsreizungen, Unwohlsein oder Allergien auslösen können. Ihr Immunsystem und ihre Organe entwickeln sich gerade erst, die Abwehrmechanismen des Körpers sind noch nicht so gut ausgeprägt. Das gilt vor allem für Babys und Kleinkinder.

Dass das nicht so daher gesagt ist, zeigen Studien (Studien LISA, LARS und LiNA) des Umweltforschungzentrum UFZ in Leipzig. Das gehört zur renommierten, bundeseigenen Helmholtz-Forschungsgesellschaft. Die Ergebnisse sind eindeutig: Neugeborene von Müttern, die während der Schwangerschaft renoviert hatten oder in frisch renovierten Räumen lebten haben ein zehn Mal höheres Allergierisiko als Kinder von Müttern in nicht renovierten Wohnungen. Auch auf die Atmung eines Babys können sich Schadstoffe auswirken. Allein in Deutschland könnten circa 20.000 vermeidbare Schadensfälle von pfeifender Atmung (Giemen) bei Kleinkindern verhindert werden.
Soll man den Nestbautrieb also unterdrücken und alles so lassen wie es ist?  Nein! Es gibt einen Ausweg: Schadstoffarme Bauprodukte.
Warum es sich lohnt, auf geprüft emissionsarme Bauprodukte zu achten und bei der Auswahl bewusst die Nase einzusetzen, zeigt ein Forschungsprojekt des Sentinel Haus Instituts. In zwei gleichgroßen Testräumen (mit ca. 15 m³ Volumen – dies entspricht dem sog. Dänischen Normraum in der ISO 16000-9) im eco-Institut in Köln wurden typische Produkte eingebaut, die bei einer Renovierung oder einem Neubau zum Einsatz kommen: Türen, Fenster, Wandverkleidungen, Bodenbeläge, Spachtel, Farben und Kleber. Von jedem Produkt wurden eine Standardausführung und eine besonders schadstoffarme Variante ausgewählt.

15 Mal mehr Schadstoffe in der Raumluft

Die Messergebnisse sind beeindruckend: Nach drei Tagen war der Wert für flüchtige organische Verbindungen (TVOC) im Standardzimmer doppelt so hoch wie im schadstoffarmen Zimmer, nach sieben Tagen gab es im Standardzimmer bereits 10mal mehr Lösemittel als im schadstoffarmen Zimmer. Und selbst beim Abschluss der Messungen nach 28 Tagen wurden im Kinderzimmer mit Standardbaustoffen 15mal mehr Schadstoffe festgestellt als im Kinderzimmer mit ausgewählten Bauprodukten. Die Grafik veranschaulicht die Unterschiede.

Kinderzimmer TVOC Grafik

Jetzt werden manche von euch sagen, dass gesündere Produkte sicherlich irgendwelche Luxus-Ökoprodukte sind. Aber das stimmt nicht. Es handelt sich um ganz normale Qualitätsprodukte deutscher und europäischer Hersteller, die man überall im guten Handel kaufen kann. Das Beste:  Die Mehrkosten nur rund 10 Prozent, etwa 200 Euro für ein komplettes Zimmer. Ich denke, dass sollte einem die Gesundheit seines Kindes schon wert sein. Im Zweifelsfall springen sicherlich Oma und Opa ein.

Die Liste der für das wohngesunde Kinderzimmer verwendeten Bauprodukte kann man kostenlos auf der Online-Plattform Bauverzeichnis Gesündere Gebäude herunterladen. Dort gibt es zudem eine Vielzahl ähnliche Produkte, die sich fürs Kinderzimmer und andere Wohnräume eignen.

Volker Lehmkuhl

Redaktionschef

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