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  • 07.03.2017
  • Volker Lehmkuhl
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Wohnen und Leben > Barrierefrei

Barrierefreien Umbau planen

Rechtzeitig überlegen, vermeidet teure Fehler bei bodenebener Dusche und Co.

Dass unsere Gesellschaft im Durchschnitt immer älter wird, ist eine Binsenweisheit. Auch die Konsequenz, dass dadurch immer mehr barrierefreie Wohnungen gebraucht werden. Deshalb habe ich euch einen Fahrplan zusammengestellt, mit dem ihr einen solchen Umbau zumindest gedanklich in Angriff nehmen könnt. Die Details sind in jedem Haus und in jeder Wohnung unterschiedlich, das generelle Prinzip bleibt aber weitestgehend gleich.

Oft ist es ein einfacher Haltegriff an der richtigen Stelle, der einem weiterhilft. Oder man beseitigt eine Stolperfalle oder eine Schwelle. Aber wer als stärker körperlich beeinträchtigter Mensch in den eigenen vier Wänden bleiben will, muss häufig einen kompletten Umbau oder eine Neuorganisation in Angriff nehmen um längerfristig zuhause wohnen bleiben zu können. Damit diese oft teure Maßnahme keine Fehlinvestition wird, ist ein Plan wichtig. Stehen einem Umbau zu viele Hindernisse im Weg, sollte man einen Umzug ins Auge fassen, auch wenn es weh tun kann, die liebgewonnenen vier Wände zu verlassen.

Bauliche Grundlagen ermitteln

Zuerst solltet ihr euch ehrlich folgende Frage beantworten: Ist euer Haus oder das Gebäude, in dem ihr oder eure Angehörigen wohnen, überhaupt geeignet für einen barrierefreien Umbau? Also ist zum Beispiel genügend Platz vor dem Haus um eine Rampe oder einen Hebelift zu installieren? Kann man den Grundriss so organisieren, dass auf einer Ebene gewohnt werden kann?

Körperlichen Bedarf feststellen

Wie mobil sind die Bewohner und wie wird sich diese voraussichtlich entwickeln? Dazu könnt ihr den Arzt konsultieren oder auch beim Pflegedienst anfragen. Generell: Besser wird es im Alter eigentlich nie.

Ist die Wohnung überhaupt erreichbar?

Wie kommt ein Rollstuhlfahrer in seine komplett barrierefreie Wohnung im 4. Stock, wenn der Aufzug fehlt? Nicht lachen, alles schon passiert. Oder muss ich die Küche total mit barrierefreien Möbeln ausstatten, wenn eh kaum gekocht wird oder das Essen von außerhalb kommt?
Ganz hilfreich finde ich einen gedanklichen Gang ins und durchs Haus. Wie ist der Zugang? Welche Hindernisse gibt es? Sind Türen breit genug? Kann man die Hindernisse mit angemessenem Aufwand beseitigen oder zumindest entschärfen? Etwa durch einen Handlauf an der Treppe oder eine Rampe vor der Haustür.

Ungewöhnliche Lösungen denken

Wenn es über die Haustür nicht klappt, mit dem Rollstuhl oder Rollator ins Haus rein oder raus zu kommen, klappt es vielleicht über den Garten. Bei Mehrfamilienhäusern kann man außen einen Fahrstuhl anbauen lassen. Allerdings ist der mit rund 60.000 bis 80.000 Euro bei drei Geschossen eine teure Angelegenheit. Da muss die Wohneigentümergemeinschaft oder das Wohnungsbauunternehmen schon mitziehen.

Alltag neu organisieren

Meistens machen Treppen im Haus die größten Probleme. Wer auf einer Ebene wohnen kann, ist den sprichwörtlich entscheidenden Schritt weiter. Beispiele: Gäste-WC zum Bad umbauen, Schlafzimmer ins Erdgeschoss und Hindernisse in der Küche beseitigen. Damit ist die Wohnfläche zwar kleiner als vorher, aber mehr Platz als im Pflegeheim hat man so auf jeden Fall. Weiterer Pluspunkt: Im Obergeschoss kann bei Bedarf eine Pflegeperson wohnen.

Bewegungsraum schaffen

Man braucht einfach mehr Platz, selbst für die einfachsten Dinge. Deshalb vor und hinter Türen, im Bad und in der Küche ist mindestens eine freie Fläche von etwa 1,50 m mal 1,50 m sinnvoll. Je mehr desto besser. Möbel kann man dazu wegräumen oder auch mal eine Tür ausbauen oder eine Zwischenwand entfernen.

Schwellen reduzieren

Alles worüber man stolpern kann, sollte möglichst verschwinden: Treppenstufen in der Wohnung, Türschwellen, lose verlegte Teppiche, Übergänge zwischen unterschiedlichen Bodenbelägen, Übergänge zu Balkon oder Terrasse gilt es aufzuspüren und wenn möglich zu beseitigen. Das gelingt nicht in jedem Fall. Hier helfen Haltegriffe, Rampen, Treppenlifter oder Hubplattformen.

Durchgang schaffen

In Privatwohnungen sind in den meisten Fällen normale Türen ausreichend mit 88,5 Zentimeter Durchgangsbreite. Dann kann man sich den teuren Umbau auf breitere Türen sparen. Generell sind offene Grundrisse mit wenigen Trennwänden von Vorteil, etwa eine zum Wohnraum offene Küche. Grundregel: Wo keine Tür sein muss, kann man sie auch weglassen. Der Badumbau ist eine der ersten Maßnahmen für mehr Barrierefreiheit. Wenn der Raum sowieso schon angefasst wird, kann man die Badezimmertür so umbauen lassen, dass sie nach außen aufgeht. Der Grund: so blockiert eine gestürzte Person die Tür nicht. Schiebetüren sparen zwar Platz, sind aber für Rollstuhlfahrer schlecht zu bedienen. Ein Elektroantrieb hilft.

Ausstattung individualisieren

Eine Freisprechanlage für die Eingangstür, Höhe und Form der Lichtschalter, ein elektronisches Schloss ohne Schlüssel für die Haustür, die (elektrische) Bedienung von Fenstern und Rollläden, eine helle Beleuchtung eventuell mit Bewegungsmeldern, durchgängige, rutschhemmende Bodenbeläge sowie Gestaltung und Einrichtung von Badezimmer und Küche kann und sollte man an die jeweiligen Fähigkeiten anpassen. Dabei die Sichtbarkeit nicht vergessen, also große, farbige, kontrastreiche Bedienelemente bevorzugen.

Für bessere Aufenthaltsqualität sorgen

Wer kaum noch aus der Wohnung kommt, will wenigstens durch das Fenster am Leben und der Natur teilnehmen. Doch viele Fensterbrüstungen sind zu hoch um im Sitzen nach draußen schauen zu können. Neue Fenster mit niedriger Unterkante oder gleich bodentief schaffen neue Aussichten. Dazu gehören auch leicht, am besten schwellenfrei zugängliche Balkone und Terrassen.

Finanzierung für barrierefreien Umbau sicherstellen

Das alles kostet Geld, und das nicht zu knapp. Rente oder Pension reichen dafür meist nicht. Die Konsequenz: Rechtzeitig planen, Kostenvoranschläge einholen, sparen und rechtzeitig umsetzen. Dann hat man von vielen der genannten Dinge auch schon früher mehr Komfort. In diesem Beitrag findet ihr Infos zu Fördermöglichkeiten.

Volker Lehmkuhl

Redaktionschef

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