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  • 01.05.2017
  • Volker Lehmkuhl
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Neubau > Bauweise > Holzbauweise

Ein wohngesundes Holzhaus bauen. Folge 3 und Schluss

Lüftung, Fußbodenheizung und Trittschalldämmung

Was viele nicht wissen: Die Ebene zwischen Rohdecke und Bodenbelag eignet sich hervorragend um Rohre zu führen. In diesem Fall zum Beispiel die Flachkanalrohre für die kontrollierte Wohnungslüftung. Auch Heizungsrohre und andere Medien laufen ganz oder teilweise auf dem Boden. Kleiner Tipp: Als Bauherr sollte man die verlegten Rohre Raum für Raum fotografieren und die Aufnahmen archivieren. Das erspart mühsames Suchen, wenn nach Jahren mal etwas geändert werden soll.

Auch den meisten unbekannt ist, dass sich unter dem Estrich eine Quelle für Schadstoffe verbergen kann. Denn das häufig verwendete Polystyrol kann Reste des hochgiftigen Styrols enthalten, je nachdem wie gut und wie lange die Dämmplatten gelagert wurden. Und da der schwimmend verlegte Estrich durch das Laufen immer ein bisschen schwingt, „pumpt“ er über die Randfugen die Luft aus der Dämmebene in den Lebensraum. Um jedes Risiko auszuschließen, wurden hier die emissionsgeprüften Steinwolledämmplatten Floorrock SE in L-Qualität von Rockwool verbaut. Sie sind druckfest, hochwärmedämmend und zudem nicht brennbar.

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Fußbodenheizung ist heute bei vielen Neubauten Standard, so auch hier. In die Zwischenräume der Noppenmatten werden die Rohre eingedrückt. Wichtig um Schäden zu vermeiden: Ein korrekter Drucktest der wasserführenden Teile. Denn eine Undichtigkeit wird nicht gleich entdeckt und führt zu hohen Schäden, wie ich es bei einem anderen Projekt erleben durfte.

Und noch ein Tipp: Wen euer Projekt dem Zeitplan hinterherhinkt, weil einige Gewerke nicht so schnell erledigt wurden wie geplant, kann beim Estrich viel Zeit hereinholen. Möglich machen es Estrichbeschleuniger, zum Beispiel die emissionsgeprüften Produkte der Firma Rapid Floor. Diese Zusätze kosten zwar vier bis acht Euro je Quadratmeter. Aber durch sie dauert es nur acht bis zwölf Tage, bis der Estrich belegreif ist und weitergearbeitet werden kann. Wenn man vergleicht, dass ein normaler Estrich vier bis sechs Wochen benötigt, um auszutrocknen, kann das sehr gut angelegtes Geld sein. Zum Beispiel, wenn man die alte Wohnung schon gekündigt hat und pünktlich aus- und einziehen muss. Die genannten und viele hundert weitere gesundheitliche geprüfte Baustoffe findet ihr übrigens im Bauverzeichnis Gesündere Gebäude.

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Richtfest

Wo feste gearbeitet wird, muss man auch Feste feiern! Bislang lief alles weitestgehend nach Plan. Die Baufamilie ist zufrieden und zeigt dies durch eine großzügige Einladung an die beteiligten Handwerker und Planer. Eine schöne Tradition wie ich finde, die leider immer mehr verschwindet. Oft aus Zeitmangel, manchmal auch durch die fehlende Verbundenheit mit den Ausführenden, da man ja vom Bauträger gekauft hat und die Handwerker kaum kennt. Das ist hier anders, da nahezu komplett die Unternehmen aus der Region stammen.

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Faltwerktreppe und Haustüre

Zugegeben: Den Begriff Faltwerktreppe hatte ich vorher auch noch nie gehört. Aber die Treppe ohne Wangen (die ja normalerweise die Last tragen) sieht wirklich gut aus, vor allem im fertigen Zustand mit den Glaswänden als Trennung und Stütze.

Die Haustüre stammt übrigens ebenfalls von Kneer Südfenster. Nicht umsonst wird sie ziemlich zum Schluss der Bauarbeiten eingesetzt um sie durch den rauen Baustellenalltag nicht zu beschädigen.

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Es ist vollbracht (na ja fast): Einzug und Raumluftmessung

Es ist der 8. August und der Tag, auf den die Nothelfers lange gewartet haben, ist da. Der Einzug! Nachdem teilweise die Decken mit einem Lehmstreichputz beschichtet wurden, das Zweischicht-Parkett von Bauwerk, selbstverständlich emissionsgeprüft mit einem ebensolchen Kleber (Gütesiegel Emicode EC 1 Plus, gesundheitlich die aktuell beste Wahl) verlegt war und auch die Innentüren ihren Platz gefunden haben, fast alle Leuchten montiert und die vielen anderen „Kleinigkeiten“ erledigt sind.

Der Beweis ist erbracht: Ein geprüft wohngesundes Haus!

Die Raumluftmessung auf flüchtige organische Verbindungen (VOC) und Formaldehyd gibt dann unerbittlich Auskunft, ob die Vorgaben für die Baustoffe und ihre Verarbeitung sowie die Zeiten fürs Ablüften auch wirklich eingehalten wurden. Gesundheitliche Qualitätssicherung nennen das die Fachleute. Immer wieder ist das ein spannender Moment. Von dem gibt es leider kein Bild. Aber die Prüfbescheinigung ist Beweis genug: Die strengen Anforderungen des Sentinel Gesundheitspass wurden bei der Summe der Flüchtige Organischen Verbindungen (TVOC) um 75 Prozent unterschritten, der Wert für Formaldehyd um 80 Prozent. Ein enorm gutes Ergebnis, insgesamt und besonders für ein Holzhaus, da in das TVOC-Ergebnis auch die holzeigenen VOC einfließen, die für die meisten Menschen sogar den angenehmen Holzgeruch mitbringen. Überhaupt Geruch. Nach Baustelle oder Neubau riecht es bei den Nothelfers überhaupt nicht.

Dank der guten und verlässlichen Arbeit des Teams von Elztal Holzhaus um Stefan und Sigrid Göppert (3. + 4. v. r.) und Bauleiter Christian Zehnle (2. v. r.) sowie aller Beteiligten ist das Projekt wirklich gelungen.

Nothelfer Zertifikat

Hausführung und Schluss

Es ist gut geworden, das Haus der Familie Nothelfer. Komfortabel aber nicht übertrieben. Dem Standort prima angepasst und mit toller Aussicht. Energetisch auf dem Stand der Zeit. Ein Holzhaus aus nachwachsenden Rohstoffen und dadurch auch ökologisch und nachhaltig. Kommt mit auf eine Tour durchs Haus und vielen Dank für euer Interesse.

Volker Lehmkuhl

Redaktionschef

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